Kenter- und Bergeübung

(Text: Michael Schönberg, Photos: Hans Hüthwohl)

Wie schon in den letzten Jahren hatte die Segelabteilung auch für die Saison 2019 eine Kenter- und Bergeübung angesetzt. Dank der frühzeitigen Ankündigung im Jahresprogramm  2019 hatten sich zu der Ende an 29. Juni durchgeführten Veranstaltung viele interessierte Segler aller Alters- und Bootsklassen eingefunden. Nach einer Einführung in die theoretischen Grundlagen der Abläufe und Hilfemaßnahmen beim Kentern durch Abteilungsleiter und Sportwart wurden auch noch für die Bergemaßnahmen wichtige, bootspezifische Besonderheiten aufgezeigt.

Dann ging es mit drei Jollen und zwei Motorbooten auf das Moselrevier. Gekentert wurde mit einem Laser, einem 420er und einer Conger. Der erste Teil der Übung bestand nun darin, dass die jeweilige Besatzung das von ihr gerade eben erst mühsam zu Fall gebrachte Boot wieder aufrichten sollte. Bevor es damit losgehen konnte, bedurfte es allerdings erst einmal der Vergewisserung, dass keine Person bei der Kenterung Schaden genommen oder sich im laufenden Gut verfangen hatte bzw. unter das Segel geraten war und deshalb erst befreit werden musste. Sodann galt es für die Mannschaft dafür Sorge zu tragen, dass das Boot nicht durchkentert. Denn insoweit war allen klar, sollte die Mastspitze erst einmal im Moselschlamm stecken, würde das Aufrichten des Bootes nur noch unter größten Anstrengungen gelingen. Also schwammen die Segler unverzüglich zum Schwert bzw. unmittelbar zur Mastspitze selbst, um so das Absinken des Mastes zu verhindern. Dieser Teil der Übung erwies sich für die Mannschaften allerdings insofern als problemlos, als sich einem solchen Durchkentern von vornherein durch an der Mastspitze angebrachte Auftriebskörper wirksam begegnen läßt und die vereinseigenen Boote eben deshalb mit entsprechenden Hilfen ausgestattet wurden. Einige Crews ließen aber durchkentern, um auch die damit einhergehenden Gefahren und Bergemaßnahmen durchzuspielen.

Laser und Gummiboot im Einsatz, das ungesicherte Schwert versunken, Einstieg von achtern und Steuerbord

Als nächstes hätten die gekenterten Segler ihre so stabilisierten und auf dem Wasser treibenden Boote mit dem Bug in den Wind drehen müssen; was bei der Übung jedoch angesichts der bestehenden Flaute weitestgehend entfallen konnte. Allerdings ist diese Maßnahme ansonsten unabdingbar. Denn liegt das  Boot quer zum Wind im Wasser, drückt er bei einer Kenterung nach Lee auf das Segel, was naturgemäß die Aufrichtung des Bootes erschwert, oder er faßt bei einer Kenterung nach Luv unter das sich anhebende Segel, was zu einer neuerlichen Kenterung zur anderen Seite hin führen kann. Außerdem mussten die Crews daran denken, vor dem Aufrichten die etwa noch belegten Schoten aus den Klemmen zu nehmen; denn andernfalls hätte es ihnen passieren können, dass das von ihnen gerade so mühsam aufgerichtete Boot sich gegebenenfalls allein davon gemacht hätte und sie nur noch das Nachsehen gehabt hätten.

Kentern mit der 420er, von den Jugendlichen souverän gemeistert

Was nun das Aufrichten selbst anbelangt, so gelang dies mit allen drei Booten nicht nur ohne größere Anstrengungen, sondern auch in kürzester Zeit. Die Segler erklommen die Schwerter der jeweiligen Boote und hebelten diese sodann durch ihr Körpergewicht und leichtes Wippen wieder in die Vertikale.

Nun stand noch der letzte Teil der Übung aus. Denn natürlich sollten die Gekenterten – soweit sie nicht bereits im Zusammenhang mit dem Aufrichten über das Schwert in ihre Boote hatten hinein klettern können – diese auch wieder besteigen. Die Segler taten sich hier teils schwer. Doch waren auch sie zu guter Letzt ebenfalls erfolgreich, auch wenn es hierzu erst einiger Anläufe und des Ausprobierens unterschiedlicher Techniken bedurfte. Einfacher wäre das Besteigen der Boote natürlich gewesen, wenn diese über Strickleitern verfügt hätten, wie sie inzwischen bereits zur Standardausrüstung der Motorboote der Abteilung gehören.

Kentern mit der Conger als Kür der Herren

Kentern mit der Conger als Kür der Damen

Kentern mit der Conger als Kür im gemischten Doppel, unter Mithilfe des Sicherungsbootes

Nach den so von den Kenterteams gezeigten Leistungen war nunmehr auch noch die Besatzung des „Gummibootes“ aufgerufen, die zu diesem Zweck erneut umgelegten Boote wieder aufzustellen und dabei auch die Crews zu bergen. Hierbei war zunächst einmal zusätzliche Vorsicht insofern geboten, als Motorboote bekanntlich eine Schraube haben. Diese kann nicht nur die im Wasser schwimmenden Segler gefährden, sondern läuft auch Gefahr, dass sich in ihr Schoten, Leinen oder Kleidungsstücke verfangen – mit der Folge, dass das Motorboot manövrierunfähig wird und dann selbst Hilfe braucht. Also näherte sich das Motorboot dem Ort der Kenterung zuletzt nur in langsamer Fahrt und von vorn. Außerdem wählte es als Anfahrstelle ebenfalls die Mastspitze, um durch dessen rasche Sicherung das Durchkentern zu verhindern. Dabei galt es auch hier den Grundsatz zu beachten, wonach erst die Segler und dann deren Boote zu bergen sind. Nachdem insoweit geklärt war, dass die gekenterten Segler keinen Schaden genommen hatten, wurden ihre Boote von der Besatzung des „Gummibootes“ beginnend bei der Mastspitze Hand über Hand angehoben, bis sie wieder die erforderliche Auftriebskräfte hatten und sich dann vollends aufrichten ließen.

Die Sicherungscrew im Einsatz

Zusammenfassend läßt sich sagen, dass die beteiligten Seglerinnen und Segler sowohl auf den Segelbooten als auch auf den Motorbooten ihre Sache mehr als gut gemacht haben. Für ihren Einsatz sei ihnen nochmals herzlich gedankt. Dass sie selbst dabei das eine oder andere dazugelernt haben, ist keine Frage. Die Kenterübung machte noch dazu viel Spaß, was sich daran zeigte, dass manche nicht oft genug kentern konnten. Auch für die Zuschauer war die Veranstaltung interessant und sehenswert. Ersichtlich war die die Übung beobachtende und für unsere Sicherheit dankenswerterweise sorgende DLRG ebenfalls mit deren Organisation, Ablauf und Niveau zufrieden.  Die Kenterübung schlossen wir mit einem geselligen Grillen in guter Laune ab. Das Kentern kann nicht genug geübt werden und wir hoffen, dass an der nächsten Übung wieder viele Mitglieder, ob Grünschnäbel oder alte Seebären, teilnehmen.

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