Meine Saison 2019 mit vier Jahreszeiten ist zu Ende

Von Alexander Holzapfel (GER 9182)

„Winter“

Die Saison 2019 begann früh, sehr früh, nämlich bereits mit einem Flug am 1. Weihnachtsfeiertag 2018 nach Perth, Western Australia, um an der Weltmeisterschaft 2019 in Fremantle teilzunehmen. Die ersten Tage vor Ort fühlten sich an wie im Traum: Bei ca. 30 Grad mit dem Fremantle Doctor – einem thermischen Wind mit ca. 5-7 Beaufort –durch das klare und warme Wasser des Indischen Ozeans zu hämmern unter teilweiser Begleitung von fliegenden Fischen. Nach ein paar Tagen Training mit Interimsvorschoter Aron Tellen begann die Vorregatta PreWorlds, die wir ziemlich zufrieden mit Platz 19 von 85 Booten abschlossen.

Leider war uns das Glück während der WM nicht so hold wie gewünscht. Drei Wettfahrten standen schon beim Start unverschuldet unter schlechtem Vorzeichen: Unglaubliche zweimal wurde der Pfadfinder beim Torstartverfahren direkt an unserem Startpunkt entlassen und wendete jeweils sofort, so dass wir uns in seinen Abwinden befanden. Ein anderes Mal erwischten wir beim Anfahren im Startgetümmel mit dem Schwert ein großes Büschel Seegras, das uns stark verlangsamte und dafür sorgte, dass wir nach „hinten gereicht“ wurden. Hinzu kam noch eine dusselige Kenterung sowie ein überfahrener Spinnaker aufgrund eines Törns im Spifall. So wurde leider nichts aus den erhofften Top25 bzw. avisierten Top30 und wir endeten auf Platz 31 von 89 Booten. Weltmeister wurden die Starkwindspezialisten Mike Martin und Adam Lowry, die bereits 2016 in Weymouth gemeinsam den Titel geholt hatten.

Holzapfel Wm Fremantle 2019 Container 2

Hier geht’s zur 505er-WM in Fremantle.

Dessen ungeachtet war es eine tolle Erfahrung, eine Übersee-WM mitzufahren inklusive Be- und Entladen der Container, Erstellen von Zolllisten sowie anschließendem Vor-Ort-Aufenthalt. Die nächste Übersee-WM findet 2021 auf den Bermudas statt. Schaun mer mal.

Frühjahr

Mit etwas Verspätung, aber gerade noch rechtzeitig zum Beginn der europäischen Saison kehrte der Container mit unseren Booten Anfang April heim.

Mittlerweile traditionell starten wir die Saison beim EuroCup France über die Osterfeiertage an der Cote d’Azur. Austragungsort 2019 war Cannes, wo die Wettfahrtleitung aufgrund starken Windes nur vier Wettfahrten durchführte. Sieger von 31 Booten wurde das australisch-britische Team Michael Quirk und Tim Needham. Stammvorschoter Nr. 1 Stefan Worm und ich belegten sehr zufrieden Platz 9.

Holzapfel Ec Cannes 2019 Vor Der Welle 2
Spiel mit den Wellen
Holzapfel Ec Cannes 2019 Beim Spisetzen (2)
Cannes: Beim Spisetzen

Zweites – mittlerweile ebenfalls traditionelles – Frühjahrshighlight ist eine Kombination aus EuroCup Italia am Gardasee über Christi Himmelfahrt und anschließend die Pfingstwettfahrten am Ammersee. Der Gardasee zeigte sich nach etwas trüben Trainingstagen zu den Wettfahrttagen von seiner besten Ora-Seite: Sonnenschein und frischer Wind aus Süd. Da wir aufgrund einer weiteren Regatta dieses Jahr weiter im Norden starteten und nicht an der engsten Stelle mit starkem Düseneffekt, gab es „nur“ moderate 4-5 Beaufort anstatt den bei Ora üblichen 4-7. Stammvorschoter Nr. 2 Finn Böger und ich belegten am Gardasee nach acht anstrengenden Wettfahrten Platz 17 von 51 Booten. Gesamtsieger wurde das amerikanische Weltmeisterteam von 2015 und 2017: Mike Holt / Carl Smit.

Holzapfel Ec Riva 2019 Vor Der Ora 2
Ruhe vor der Ora
Holzapfel Ec Riva 2019 Annäherung An Die Luvtonne 2
Gardasee: Annäherung an die Luvtonne
Holzapfel Herrsching 2019 Abendflaute 2
Abendflaute am Ammersee

Der Ammersee dagegen zeigte sich den 16 angereisten Teams über Pfingsten von seiner windarmen Seite, so dass nur zwei Rennen absolviert werden konnten: Platz 2 hinter dem Team Hoffmann / Brockerhoff vom Düsseldorfer Yacht Club.

Eine besondere Freude bereitete mir dann am 1. Mai das Ansegeln im Kreise der seit langem nicht mehr gesehenen oder bislang nur per E-Mail bekannten Segler unseres Vereines. An dieser Stelle nochmals großen Dank an dich, Iris, für das Überlassen deines Lasers!

Hüthwohl Ansegeln 2019 (96 2)
Mein Besuch im Post-SV
Hüthwohl Ansegeln 2019 (22)

Sommer

Im Juni folgte der EuroCup Deutschland anlässlich der Kieler Woche. Bei für Kiel ungewöhnlich guten Bedingungen (Kombination aus Wärme und Wind) gab es für uns Licht und Schatten und so verpassten Stefan und ich mit Platz 11 knapp die Top10. Die Kieler Woche 2019 gewann Seriensieger und zigfacher 505er-Weltmeister Wolfgang Hunger mit Holger Jess an der Vorschot bei 30 Booten.

Besser wurde dagegen die Internationale Deutsche Meisterschaft im Rahmen der Travemünder Woche, die aufgrund nur einer fehlenden Meldung zum Meldeschluss jedoch zur deutschen Bestenermittlung „degradiert“ wurde. Dies tat der guten Stimmung innerhalb der Klasse keinen Abbruch und wir segelten Wettfahrten bei tollen Segelbedingungen auf der Lübecker Bucht sowie Showrennen vor Hunderten von Zuschauern auf der böigen Trave und verbrachten gemeinsame Sommerabende unter anderem mit einem Empfang auf der Viermastbark Passat.

Holzapfel Trawo 2019 1 2
505er mitten im Geschehen
Holzapfel Trawo 2019 2 2
Abend auf der Trave

Besonders hervorzuheben ist bei der Regatta das außergewöhnliche Urteil der Jury in Rennen: Da die Wettfahrtleitung vergessen hatte, die gleichfarbige Luvtonne des vorherigen Rennens aus dem Wasser zu nehmen, fuhren alle Teams, bis auf das führende, bei einem Outer-Loop-Kurs auf der zweiten Kreuz um die falsche Tonne. Das in der Wettfahrt bislang führende Team landete daraufhin nur noch im Mittelfeld. In der abendlichen Protestverhandlung machten wir gemeinsam als Klasse deutlich, dass wir eine Annullierung des ansonsten fairen Rennens bei sehr guten Segelbedingungen bedauern würden. Dabei kam die gute Jury zu folgendem salomonischen Urteil: In einem ersten Schritt wurden alle Teilnehmer disqualifiziert bis auf das Team, das die Bahn korrekt abgesegelt hatte und als Sieger gewertet wurde. In einem zweiten Schritt wurden die disqualifizierten Teams aufgrund des Fehlers der Wettfahrtleitung in der Reihenfolge des Zieldurchgangs nach dem Siegerteam wiedereingesetzt. Chapeau! Stefan und ich wurden mit einem Tagessieg und zweiten Plätzen bei Rennen als einziges Ü40 Team „Vize-Bester“ 2019 hinter dem Team Hoffmann / Brockerhoff.

Sportlicher Sommerhöhepunkt war die Europameisterschaft in Sonderborg (Dänemark). Bei äußerst schwierigen Bedingungen mit stark drehenden und schwankenden Winden (teilweise 1 – 7 Beaufort in einer Wettfahrt), mit Sonnenschein und heftigen Regenschauern innerhalb weniger Stunden landeten Stefan und ich nach Wettfahrten auf Platz 23 von 75 Booten. Das war auch schon mal besser, insbesondere unsere Höhe an der Kreuz sowie unsere Seitenwahl ließen zu wünschen übrig. Europameister wurden die Briten Roger Gilbert und Ben McGrane vor mehreren ehemaligen Weltmeistern.

Holzapfel Euro Sonderborg 2019 Spifahrt 2
Spifahrt
Holzapfel Euro Sonderborg 2019 Auf Der Kreuz 2
Sonderborg: Auf der Kreuz

Herbst

Im September blieb der 505er eingepackt, dafür genoss ich mit meinem Vater auf der Ostsee vor Warnemünde einen Tagestörn auf der „Illbruck“, eine 60-Fuß-Rennyacht, die das VolvoOceanRace 2002 gewann. Sehr zu empfehlen.

Anschließend stand nun mit Finn an drei hintereinander folgenden Oktoberwochenenden der Endspurt im Nordosten an.

Den Oktoberauftakt vor der Kulisse des Schweriner Schlosses begannen wir gut bei wechselhaften Winden und gewannen gleich das erste Rennen bei 16 Booten. Leider wurden wir beim zweiten Rennen in Führung liegend von der Jury zu Strafkringeln aufgefordert. Den in unsere Klasse üblichen einen Strafkringel führten wir auch nach kurzem Murren durch, jedoch mussten wir nach dem Rennen feststellen, dass zwei erforderlich gewesen wären, also DSQ. Im dritten Rennen „verschenkten“ wir den fast schon sicheren zweiten Platz durch einen Winddreher auf der Zielkreuz. Am Sonntag gewannen wir das vierte Rennen, mit Streicher waren wir damit Gesamtsieger. Leider wurde bei abflauenden Winden noch ein fünftes Rennen gestartet, das in der Platzverteilung so unglücklich endete, dass wir nur auf dem 3. Platz bei zwei Punkten hinter den punktgleich Erstplatzierten (Weltmeistersteuermann von 2018, Lutz Stengel aus Rostock mit Vorschoter Christian Ziels) und Zweitplatzierten landeten, die jeweils nur einen Tagessieg verbuchen konnten.

Holzapfel Schwerin 2019 Auf Dem Weg Zur Leetonne 2
Schwerin: Auf dem Weg zur Leetonne

Am Wannsee kamen wir mit den drehenden und schwankenden Winden am Samstag weniger gut zurecht. Hier reichte es verdientermaßen nicht für einen Podiumsplatz, sondern nur für Platz 4 von 20 Booten. Souverän gewannen Lutz Stengel und sein Stammvorschoter Frank Feller mit fünf Einzelsiegen, von denen sie wegen totaler Flaute am Sonntag sogar noch einen streichen konnten/mussten.

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Auf dem Weg ins Ziel
Holzapfel Cospuden 2019 1 2
Am Cospudener See: Start

Mit Umstellung auf die Winterzeit endete dann am letzten Oktoberwochenende meine 505er-Segelsaison 2019 am Cospudener See, einem ehemaligen Braunkohletagebaugebiet bei Leipzig. In sechs spannenden Wettfahrten bei teilweise frühlingshaften Temperaturen landeten wir noch dichter als in Schwerin mit nur einem Punkt Unterschied hinter den punktgleichen Erst- und Zweitplatzierten (das gesamte Podium mit jeweils zwei Einzelsiegen) auf Platz 3 von 13 Booten. Sieger wurden Thure Gnadeberg und Johannes Tellen.

Und nun endlich richtiger Winter.

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