Rheinwoche, 22. – 25. Mai 2026

Text: Harald Werth, Bilder: Bendix Landmann, Holger Reichwaldt

Pfingsten ist Rheinwoche, so wie bei anderen Pfingsten ein anderes Ereignis fest im Programm steht. Das Ereignis für die Segelvereine am Rhein. Warum: Die Rheinwoche ist die größte Veranstaltung auf dem Rhein und gleichzeitig die größte Flussregatta Europas. Bis zu 140 Boote stehen bzw. standen schon auf der Meldeliste.

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2026 starten vom Post-SV Koblenz Julia und ich mit unserem Piraten und Frank Padberg segelte bei Rolf Weber vom Yacht-Club Rhein-Mosel mit. Mehrfach war auch Koblenz Startpunkt der Rheinwoche, 2011 sogar die Mosel Austragungsort, nachdem der Rhein durch Niedrigwasser nicht als Segelrevier geeignet war. Hoch- oder Niedrigwasser sind eine wichtige Variable für die Ausrichter. Zu hohes Wasser führt dazu, dass die Brückendurchfahren für Boote mit hohem Mast unpassierbar werden. Niedrigwasser führt dazu, dass die Boote nicht aus den Häfen kommen.

Die Rheinwoche geht meist in Etappen den Rhein hinunter und man segelt von Hafen zu Hafen. Pro Halbtag eine Wettfahrt, auch Etappe genannt, und die Länge der Etappe bestimmt der Abstand zwischen zwei Häfen, die die Boote aufnehmen können. Die kürzesten Etappen sind Brohl-Oberwinter, Oberwinter-Mondorf und Mondorf-Porz. Die längsten gehen über mehr als 40 Rheinkilometer und können bis zu 4 Stunden dauern. Je nach Ausrichter und Ehrgeiz wird die Etappe Oberwinter – Porz an einem Stück gesegelt. Viele Jahre wurden 6 Etappen gesegelt, das bedeutete Freitag irgendwo Einkranen, mit viel Stress den Hänger an den Endpunkt der Regatta bringen und irgendwie zurück zum Startpunkt kommen, oder Freunde und Familie einspannen. Mittlerweile werden nur noch fünf Etappen gesegelt, so dass man Pfingstmontag nicht mehr tief in der Nacht nach Hause kommt. Am Zielort gibt es einen Anhängerparkplatz und oft Unterstützung, um zum ÖPNV zu kommen oder es fährt, je nach Budget des Ausrichters, ein Reisebus die Gespannfahrer zurück zum Startort.

Dieses Jahr war der Yacht-Club Mittelrhein in Oberwinter Startpunkt der Veranstaltung. Der Verein ist Teil meiner Seglerhistorie und der Sportwart fragte, ob wir unseren Piraten noch haben und ggfls. Lust hätten, an der Rheinwoche teilzunehmen. Im November 2025 hatten meine Tochter Julia und ich an der Stadtmeisterschaft der Stadt Bonn teilgenommen, die als Matchrace im Piraten ausgetragen wurde. Auf der ersten Etappe der Rheinwoche sollte auch die Stadtmeisterschaft ausgesegelt werden. Folglich wurde das Schiff nach gefühlt 10 Jahren wieder aus der Halle im Westerwald geholt und wir hatten es am 1.Mai beim Ansegeln erfolgreich ausprobiert.

Bereits Donnerstagabend vor Pfingsten ging es los, ich habe das Boot in Koblenz geholt und konnte in Oberwinter direkt über den Kran ins Wasser. Während der Rheinwoche bleiben auch die Jollen meist im Wasser, da die Trailer bereits vorab an den Zielort gebracht werden. Freitags am späten Vormittag brachte ich Auto und Anhänger in den Duisburger Hafen. Mit ÖPNV (und den dazugehörigen Verspätungen) ging es zurück nach Bonn und am Abend nach Oberwinter, um einzuchecken und erste alte Kontakte aufzufrischen.

Die letzte Rheinwoche datierte aus dem Jahr 2010 vor der Familiengründung. Wie sich das Leben weiterentwickelte: Einige der damaligen Mitstreiter sind die gleichen geblieben, jetzt gab es drei Vater-Kind-Teams.

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Samstag hieß es früh aufstehen, um 8.30 Uhr war Steuerleute-Besprechung. Die erste Etappe von Oberwinter nach Mondorf mussten wir schleppen, da der leichte Südwind durch den Strom des Rheins aufgehoben wurde und an Segeln nicht zu denken war. Wir bekamen mit 4 Piraten einen Sonderschlepp, waren mit bei den ersten in Mondorf und konnten für die Schiffe einen guten Liegeplatz finden, Danke an die Ruderer in Mondorf für die Gastfreundschaft. Dort wartete bereits die EUREKA, ein Personenschiff, dass die Rheinwoche begleitete und die zentrale Anlaufstelle, Regattabüro, Restaurant und Lagerfläche war. Im Oberdeck ist ein temporäres Matratzenlager, dass viele Jollensegler gerne nutzen. Im Rahmen der Meldung hatten wir dort unser Mittagessen gebucht. Den Rest haben wir, vor allem dank der Unterstützung meiner Frau, privat organisiert.

Samstagnachmittag hatte der Wind gedreht und wir konnten die Etappe nach Porz segeln. Neben dem Wind an Land schiebt auch der Strom und in Summe hat es gereicht, dass wir manövrieren konnten. Überraschend konnten wir in der Spitzengruppe mithalten und nach der Zieldurchfahrt stand Holger Reichwaldt an Land und machte Fotos, vielen Dank, als Segler bekommt man selten Fotos und ich freue ich mich über jedes. Zudem machten Bendix Landmann von Land und Eckehard Schulz von seinem Segelboot Troll aus Fotos, so dass wir u.a. ein Foto mit Boot vor dem Dom bekamen. Es ist immer wieder überraschend, wie der kleine Hafen in Porz die vielen Boote aufnimmt. Am Ende fuhr dann die Eureka als letztes Schiff in den Hafen ein und „verkorkte“ damit den Hafen.

Der Sonntag begann mit einer Startverschiebung und nach ein wenig Warten kam dann der Wind, der es ermöglichte, die Etappe von Porz bis Leverkusen-Hitdorf zu segeln. Bei strahlendem Sonnenschein segelten wir durch Köln, vorbei an den Kranhäusern, dem Dom und weiteren Sehenswürdigkeiten, den Ford Werken und dem Chemiepark in Leverkusen. Plätze haben uns langsame fahrende Talfahrer gekostet, da wir vorsichtiger waren als andere Teilnehmer. Die zu Berg, gegen den Strom, fahrenden Berufsschiffe sind im Normalfall keine Herausforderung, da man ob des starken Stroms schnell an Ihnen vorbeifährt. Spannender sind v.a. langsam fahrende Talfahrer, da man gefühlt ewig mit ihnen den Rhein hinunterfährt. Zudem gibt es die Vorgabe, einen großen Bereich vor den Berufsschiffen frei zu lassen, um nicht in den toten Winkel der Berufsschiffe zu kommen.

Nach der Mittagspause in Hitdorf ging es auf die von vielen Königsetappe getaufte Strecke bis in den Norden Düsseldorfs. Gastgeber war der Düsseldorfer Yacht Club. Auf dieser Etappe gibt es lokale Feinheiten, z.B. die letzte Kurve durch Düsseldorf hat über 180 Grad, was dazu führt, dass trotz besseren Stroms in der Außenkurve die Innenkurve einfach kürzer und schneller ist. Oder das Benrather Loch, dort gibt es am Ende der Außenkurve einen heftigen Gegenstrom, den man unbedingt vermeiden muss.

Die Startverschiebung am Morgen führte in Folge zu einer Verschiebung des Starts der zweiten Etappe, so dass wir erst ca. 19.30 Uhr nach über 3,5 Stunden und 42 Kilometer am Verein ankamen. Dort legten wir direkt neben dem Freibier des Prinzen von Bayern an, der mit einer Asso 99 startete und Bier aus der hauseigenen Brauerei mitgebracht hatte. Die letzte Etappe nach Duisburg ähnelte den Etappen zuvor: wenig Wind und am Ende zu viel Respekt vor den Talfahrern. In Duisburg angekommen hieß es mit einem Shuttle den Trailer holen, während Julia sich um den Piraten kümmerte.

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Da alle Piraten fast gleichzeitig am Slip ankamen, war die gegenseitige Unterstützung groß und die Boote schnell verpackt. Vom „Chaos“ am Kran hörten wir nur Gerüchte und ich habe mich direkt auf den Heimweg gemacht, um vor einem möglichen großen Stau zu Hause zu sein. Das hat auch funktioniert und meine Rheinwoche endete Pfingstmontag kurz vor 19.00 Uhr in Bonn.

Am Ende waren wir in der Gesamtergebnisliste und in der Klasse Platz 5 von 7 und mittlerweile steht das Boot aufgebaut in Koblenz. Offen sind noch ein paar Trimmarbeiten, v.a. damit das Schiff bei leichten Winden und nach der Wende besser anspringt und vor allem: segeln.


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